{"id":16,"date":"2019-11-03T02:16:00","date_gmt":"2019-11-03T02:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/inklusiv-unterwegs.de\/?p=16"},"modified":"2019-12-07T02:47:58","modified_gmt":"2019-12-07T02:47:58","slug":"es-war-einmal-vor-15-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inklusiv-unterwegs.de\/?p=16","title":{"rendered":"Es war einmal vor 15 Jahren"},"content":{"rendered":"\n<p>in einem Dorf in Bayern\u2026. na gut, vielleicht vor 20 Jahren.\nSo genau kenne ich die Familie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Da brachte eine Frau ein geistig behindertes M\u00e4dchen zur\nWelt. Und war ab da allein unterwegs. Ihr Mann f\u00fchlte sich \u00fcberfordert und\nsagte zu seiner Frau: \u201eDU k\u00fcmmerst dich um das Kind.\u201c Wenn sie ihr M\u00e4dchen im\nKinderwagen spazieren fuhr, wechselten die Leute die Stra\u00dfenseite, um nicht mit\nihr reden zu m\u00fcssen. Als diese Frau Jahre sp\u00e4ter unsere Gruppe kennenlernte, sagte\nsie zu mir: \u201eWas w\u00e4re ich froh gewesen, wenn ich Kontakte zu anderen betroffenen\nEltern gehabt h\u00e4tte. Ich war immer allein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie traurig und gleichzeitig unvorstellbar. Damals, vor\nlanger, langer Zeit. Also noch vor dem Internet! Da war Vernetzung kompliziert,\nda wusste der Eine vom Anderen nicht. Da sind sich mit von behinderten Kindern\nwahrscheinlich nur zuf\u00e4llig begegnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das anders. Meine erste befreundete Mama, deren\nKind auch das Down-Syndrom hat, habe ich \u00fcber das Internet kennengelernt.\nUnsere Vernetzung mit anderen Eltern entstand durch das gezielte Ansprechen Betroffener\ndurch unsere Fr\u00fchf\u00f6rderstelle. Jetzt haben wir sogar einen eigenen Verein. Und\neine Homepage. Man kann uns finden, wenn man will. Die H\u00fcrden der Kommunikation\nund Vernetzung sind geringer geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch heute ist es noch schwierig in Kontakt mit anderen\nFamilien zu kommen zum Beispiel, wenn man weitab vom Schuss wohnt. Und dann f\u00fcr\njede Therapie 50 km hin- und 50 km zur\u00fcckfahren muss. Neben dem ganzen anderen\nt\u00e4glichen Kram: Arbeit, Haushalt, Familie. Oder wenn Strukturen fehlen. Wenn\ndie n\u00e4chste Selbsthilfegruppe im n\u00e4chsten Ballungszentrum liegt, das 80 km\nentfernt ist und das man m\u00fchsamst mit Bus und S-Bahn durchqueren muss. Es sei\ndenn man st\u00fcrzt sich wagemutig mit seinem Auto in den Gro\u00dfstadtverkehr. Auch ne\nOption!<\/p>\n\n\n\n<p>Aus eigener Erfahrung wei\u00df ich: Betroffene Familien gibt es\nin jedem Landkreis. Und in jeder Familie liegt Wissen begraben. Es gibt wahre\nSch\u00e4tze zu heben! Wissen \u00fcber Pflegestufen und Pflegedienstleistungen, \u00fcber\nBetreuungsleistungen der Krankenkassen und Verhinderungspflege, \u00fcber\nHaushaltshilfen und wie man sie beantragt. Und Etliches mehr!\n\nDeshalb soll unser Blog ein Aufruf sein an alle\nbetroffenen Familien: Geht raus, vernetzt euch, nutzt die sogenannte\nSchwarmintelligenz! Und wenn es noch keine Elternstrukturen in eurem Landkreis\ngibt, dann baut sie auf. \u00dcberall sitzen Profis, deren Aufgabe es ist, uns zu\nhelfen. Sie sitzen in Sozialverb\u00e4nden, in Sozial- und Pflegediensten, in\nFr\u00fchf\u00f6rderstellen, in Sozialp\u00e4diatrischen Zentren und manchmal kann euch sogar\neuer Kinderarzt um die Ecke weiterhelfen! Fragt euch durch, fragt nach\nUnterst\u00fctzung und sucht euch andere Eltern, die auch behinderte Kinder haben.\nGemeinsam wird man stark!\n\n\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>in einem Dorf in Bayern\u2026. na gut, vielleicht vor 20 Jahren. So genau kenne ich die Familie nicht. Da brachte eine Frau ein geistig behindertes M\u00e4dchen zur Welt. Und war ab da allein unterwegs. Ihr Mann f\u00fchlte sich \u00fcberfordert und sagte zu seiner Frau: \u201eDU k\u00fcmmerst dich um das Kind.\u201c Wenn sie ihr M\u00e4dchen im Kinderwagen spazieren fuhr, wechselten die Leute die Stra\u00dfenseite, um nicht mit ihr reden zu m\u00fcssen. Als diese Frau Jahre sp\u00e4ter unsere Gruppe kennenlernte, sagte sie zu mir: \u201eWas w\u00e4re ich froh gewesen, wenn ich Kontakte zu anderen betroffenen Eltern gehabt h\u00e4tte. Ich war immer allein.\u201c Wie traurig und gleichzeitig unvorstellbar. Damals, vor langer, langer Zeit. Also noch vor dem Internet! Da war Vernetzung kompliziert, da wusste der Eine vom Anderen nicht. Da sind sich mit von behinderten Kindern wahrscheinlich nur zuf\u00e4llig begegnet. Heute ist das anders. Meine erste befreundete Mama, deren Kind auch das Down-Syndrom hat, habe ich \u00fcber das Internet kennengelernt. Unsere Vernetzung mit anderen Eltern entstand durch das gezielte Ansprechen Betroffener durch unsere Fr\u00fchf\u00f6rderstelle. Jetzt haben wir sogar einen eigenen Verein. Und eine Homepage. Man kann uns finden, wenn man will. Die H\u00fcrden der Kommunikation und Vernetzung sind geringer geworden. Auch heute ist es noch schwierig in Kontakt mit anderen Familien zu kommen zum Beispiel, wenn man weitab vom Schuss wohnt. Und dann f\u00fcr jede Therapie 50 km hin- und 50 km zur\u00fcckfahren muss. Neben dem ganzen anderen t\u00e4glichen Kram: Arbeit, Haushalt, Familie. Oder wenn Strukturen fehlen. Wenn die n\u00e4chste Selbsthilfegruppe im n\u00e4chsten Ballungszentrum liegt, das 80 km entfernt ist und das man m\u00fchsamst mit Bus und S-Bahn durchqueren muss. Es sei denn man st\u00fcrzt sich wagemutig mit seinem Auto in den Gro\u00dfstadtverkehr. Auch ne Option! Aus eigener Erfahrung wei\u00df ich: Betroffene Familien gibt es in jedem Landkreis. Und in jeder Familie liegt Wissen begraben. Es gibt wahre Sch\u00e4tze zu heben! Wissen \u00fcber Pflegestufen und Pflegedienstleistungen, \u00fcber Betreuungsleistungen der Krankenkassen und Verhinderungspflege, \u00fcber Haushaltshilfen und wie man sie beantragt. Und Etliches mehr! Deshalb soll unser Blog ein Aufruf sein an alle betroffenen Familien: Geht raus, vernetzt euch, nutzt die sogenannte Schwarmintelligenz! Und wenn es noch keine Elternstrukturen in eurem Landkreis gibt, dann baut sie auf. \u00dcberall sitzen Profis, deren Aufgabe es ist, uns zu helfen. Sie sitzen in Sozialverb\u00e4nden, in Sozial- und Pflegediensten, in Fr\u00fchf\u00f6rderstellen, in Sozialp\u00e4diatrischen Zentren und manchmal kann euch sogar euer Kinderarzt um die Ecke weiterhelfen! Fragt euch durch, fragt nach Unterst\u00fctzung und sucht euch andere Eltern, die auch behinderte Kinder haben. 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